Herzschlag 2: Mein Herz schlägt für meinen Nächsten

„Es ist so wertvoll und spannend, die Dinge aus der Bibel umzusetzen, die wir verstehen. Denn es gibt zahllose theologische Debatten über Details, die wir vielleicht nicht verstehen. Anstatt über das Komplizierte zu diskutieren: Lasst uns das Einfache umsetzen.“ Ein klarer Appell am Sonntagmorgen von Dom an die KCC. 

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst ist das essentiellste Gebot der Bibel. Damit wollen wir beginnen und das ist oft schon eine große Herausforderung. Unsere Grundlage für dieses Gebot ist die einfache Tatsache, dass Gott Liebe ist. Er kann nicht anders, als uns Menschen zu lieben. 

Den Bibeltext zu Doms Predigt am vergangenen Sonntag findest du in Lukas 15.

In diesem Kapitel erzählt Jesus eine Geschichte in drei Teilen: 1. von einem Hirten, der ein Schaf verliert. 2. Von einer Frau die eine Münze verliert und 3. von einem Mann, der zwei Söhne hat und einen verliert. In allen drei Geschichten wird das Verlorene wieder gefunden. Und immer freuen sich die Menschen von Herzen darüber. Gott freut sich darüber - denn Freude ist eine seiner Charaktereigenschaften. 

Lukas 15,10: Genauso freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt.

Dom berichtete von einem „feurigen Erlebnis“, das er im Haus seiner Schwiegereltern hatte: Dort wollte er den schönen Feuerofen nutzen und ein kuscheliges Feuer machen. Allerdings funktionierte es nicht wie geplant und plötzlich war das ganze Haus voller Qualm. Etwas, das eigentlich schön sein sollte, wurde erdrückend und unangenehm. Genau so hatten es die Pharisäer zu Jesus’ Zeit mit der Thora gemacht: Sie haben die eigentlich gute Nachricht genutzt, um Menschen zu unterdrücken. In dieser Situation ist Jesus, als er uns die Gleichnisse, die in Lukas 15 festgehalten sind, übermittelt. Wenn wir diese drei kurzen Geschichten lesen, passieren zwei Dinge: 

1. Wir erinnern uns daran, wer Jesus ist und dass er gekommen ist, um Menschen zu retten, die verloren sind. Das macht er jeden Tag. Er ist freundlich und barmherzig und wendet sich nicht ab, nur weil du schwach bist. Er sucht dich und gibt nicht auf. 

2. Es erinnert uns daran, dass wir nicht nur Empfänger, sondern auch Sender seiner Liebe sind. Im zweiten Gleichnis sucht eine Frau eines von ihren zehn Silberstücken. Silber war im Hebräischen ein Zeichen für die Seele. Allein die Tatsache, dass Jesus hier eine Frau für sein Gleichnis heranzieht, hat die Pharisäer zur Weißglut getrieben. Denn Frauen waren in ihren Augen nur wenig wert. Und doch nimmt Jesus ganz bewusst eine Frau für sein Gleichnis. 

Aus dem Kontext der Geschichte von dieser Frau können wir schließen, dass sie wahrscheinlich alleine lebte und nicht sehr wohlhabend war. Sie war nicht hochgeachtet. Doch genau mit ihr identifizierte sich Jesus. Die Frau benutzte eine kleine Öllampe, um nach ihrer Münze zu suchen - und das sagt uns etwas über die Haltung, die es braucht, um nach verlorenen Menschen zu suchen. Denn mit nur wenig Licht muss man sehr genau suchen und sich tief bücken, um das Verlorene zu finden. 

Was ist unsere Haltung, wenn es darum geht, verlorene Menschen zu suchen? 

Schauen wir mit erhobenem Kopf über alles hinweg oder suchen wir richtig? Guckst du nur oder suchst du schon? Gott kommt ganz nah an uns heran, um uns zu finden. Das ist die Art, wie wir suchen sollen. Kennen wir den Schmerz unserer Stadt? 

Als Kirche wollen wir nah an diesem Schmerz dran sein. Es ist unser Herzenswunsch, ein Licht in unserer Stadt zu sein. Deshalb haben wir ein Social Action Team, das sich gemeinsam mit unseren Life Groups für die Menschen einsetzt, die Liebe und Hoffnung so dringend brauchen. 

Der Frau im Gleichnis reicht ihre Lampe nicht, um das Silberstück zu finden. Sie nimmt einen Besen zur Hilfe und fängt an zu kehren, in der Hoffnung, die Münze zu hören - wahrscheinlich mit einem Ohr nah am Boden. Die Frage ist: Hören wir zu? Hören wir, was in unserer Stadt passiert? Versuchen wir zu verstehen? Als Kirche wollen wir einen Lebensstil führen, der sich dafür hingibt. Wir wollen verlorene Menschen finden. 

Jesus sieht sich selbst in jedem einzelnen Menschen. So wie Eltern sich selbst sehen, wenn sie ihre Kinder anschauen. Deshalb lädt Jesus uns immer wieder aufs Neue ein, seine Haltung einzunehmen, wenn es darum geht, auf der Suche zu sein. Das ist unser Auftrag. Auch wenn es dabei chaotisch wird und wir manchmal nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Ein Großteil der Probleme unserer Gesellschaft kann nicht im Bundestag gelöst werden - diese Probleme lösen wir in der Kirche. Und Kirche bist du. Wenn du das Suchen zu deinem Auftrag machst, können wir unsere Stadt verändern. 

Philipper 2,4: Denkt nicht an euren eigenen Vorteil. Jeder von euch soll das Wohl des anderen im Auge haben.