Gedanken zur Taufe

Nur noch ein paar Mal schlafen, dann ist Sonntag. Und mit dem Sonntag rückt auch die erste KCC-Taufe immer näher. Unsere Teammitglieder sind bereits seit Wochen mit der Vorbereitung auf dieses Ereignis beschäftigt - schließlich gibt es eine Menge zu organisieren: Programm, leckeres Essen, coole Shirts für alle Täuflinge… Nur um einen Auszug zu nennen. 

Diejenigen, die sich am Sonntag taufen lassen, stecken ebenfalls schon seit einiger Zeit mitten in der Vorbereitung. Doch noch vor der Wahl des Taufverses, des richtigen Outfits und den Überlegungen, wen man einladen möchte, stand für alle Täuflinge eine ganz andere Frage:

Warum lasse ich mich taufen? 

Für mich persönlich habe ich versucht, eine richtig gute Antwort auf diese Frage zu formulieren - so eine Art rhetorisches Meisterwerk, auf das sowohl mein Religionslehrer als auch mein Deutschlehrer stolz gewesen wären. Doch statt einer Antwort habe ich immer wieder nur eine Frage bekommen: Warum habe ich mich nicht schon früher taufen lassen? Denn das wäre eigentlich so selbstverständlich gewesen wie mein Glaube selbst. 

Ich hatte nie dieses ganz außergewöhnliche Erlebnis mit Gott

Jesus ist nicht unbedingt mit Pauken und Trompeten in mein Leben gepoltert. Statt dessen ist er schon sehr lange ein fester Bestandteil meines Herzens und oft musste er auch lange, leise und geduldig darauf warten, dass ich bereit bin, zu hören, was er mir sagen will. Ich komme nicht aus einem christlichen Elternhaus und doch hat meine Familie dafür gesorgt, dass der Glaube ein selbstverständlicher Bestandteil meines Alltags wurde. Dazu hat sicher beigetragen, dass ich als Baby getauft und später konfirmiert wurde oder auch dass ich (anfänglich gegen meinen Willen!) eine katholische Mädchenschule besuchte, wo ich nicht nur bis zu 13. Klasse den allerbesten Religionslehrer hatte, sondern wo ich auch meine erste beste Freundin kennenlernte, für die Gott schon immer so selbstverständlich war wie ihr Pausenbrot. Später, nach der Schulzeit, war es dann David, mein bester Freund und Verlobter, der dafür gesorgt hat, dass ich Jesus nicht aus den Augen verliere, weil er selbst mit einer solchen Begeisterung glaubt, dass es ganz einfach ansteckend ist. Glaube war für mich aber auch deshalb lange Zeit ganz selbstverständlich, weil ich nie Grund zum Zweifeln hatte. Keine Schicksalsschläge oder unerwartete Verluste, keine Stolpersteine… Kurzum: Gott hat mir in den letzten 30 Jahren nicht viel Angriffsfläche geboten, um mit ihm zu hadern. 

Meine Beziehung zu Jesus war einseitig

Doch ist selbstverständlich auch gut? Wenn in einer Beziehung alles selbstverständlich ist, wird sie schnell langweilig, leidenschaftslos und droht vielleicht sogar einzuschlafen. Ich würde nicht sagen, dass meine Beziehung zu Jesus eingeschlafen war - sie war nur etwas einseitig. Ich wusste, ich konnte mich auf ihn verlassen. Aber konnte er sich auch auf mich verlassen? Während meiner Gottesdienstbesuche in den letzten Jahren war ich beim Lobpreis oftmals noch mit ganzem Herz dabei, bei der Predigt dachte ich dann schon übers Mittagessen nach und war froh, wenn ich die maximal 15 Minuten Smalltalk am Ende hinter mich gebracht hatte. Und Engagement für die Kirche? Nur nicht zu viel, man hat ja auch sonst so einiges um die Ohren. Viel lieber wollte ich mich einfach ein wenig bedienen lassen. 

All das hat sich schlagartig geändert, als ich im letzten Herbst mit David in die KCC kam. Es war, als hätte Jesus festgestellt: „Jetzt war ich lange genug leise und geduldig - Zeit, in die Pötte zu kommen, meine Liebe!“ Irgendetwas hat in mir einen Schalter umgelegt und meine Liebe zu Gott von einem kleinen, friedlichen Flackern in ein anständiges Feuer verwandelt. Natürlich war es nicht irgendwas - es waren die vielen, großartigen Menschen in der KCC, die Jesus mir mitten in den Weg gestellt hat und an denen ich und meine Bequemlichkeit einfach nicht vorbei kamen. 

Begegnen Wachsen Dienen - das sind nicht einfach nur drei Hashtags, die ich ein paar Mal pro Woche unter unsere Facebook-Posts setze. Es ist das was ich will. Die Zeit, in der ich mich einfach nur „bedienen“ lasse, ist vorbei und genau aus diesem Grund ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, mich (endlich) taufen zu lassen. 

Kim