Liebe den Dreck! Der letzte Teil unserer Predigtserie Natürlich Übernatürlich

„Gesegnet sei der Mensch, dessen Auto sauber ist…“ Nein, das ist natürlich nicht der Anfang eines Bibelverses - aber der Anfang von Doms Predigt am vergangenen Sonntag. Mit dem Thema „Liebe den Dreck“ beendete er unsere aktuelle Predigtserie NATÜRLICH ÜBERNATÜRLICH. Dom berichtete zum Einstieg von einem Erlebnis aus seinem Familienalltag, das ihn nachdenklich machte: Als er kürzlich seinen Sohn Maxime mit dem Auto aus dem Kindergarten abholte, musste er beim Aussteigen feststellen, dass der kleine Schatz anscheinend nicht nur den Inhalt eines Sandkastens auf dem Rücksitz verteilt hatte - noch schlimmer: Auf der Rückseite des Beifahrersitzes befanden sich zwei schön schmutzige Abdrücke von Maxime’s Schuhen. Nun behauptet Dom zwar von sich, nicht allzu penibel zu sein, und doch brachte ihn dieser Dreck kurzzeitig aus der Fassung. Kleinigkeiten können uns eben manchmal fertig machen. Aber wofür steht der Dreck auf der Rückbank von Doms Auto eigentlich? Dafür, dass er ein gesundes Kind hat, das glücklich und zufrieden im Sand spielen kann. Dreck scheint also gar nicht so dramatisch zu sein, wie wir oft annehmen. Schon gar nicht, wenn wir Folgendes bedenken: 

1. Mose 2:7 Da nahm Gott Erde (=Dreck!), formte daraus den Menschen und blies ihm Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch lebendig. 

Noch Fragen? Bestimmt! Deshalb gibt es jetzt noch drei spannende Denkanstöße zum Thema Dreck…

1. Die Bedeutung des Drecks 

Sprüche 14:4 Ein leerer Stall bleibt zwar sauber - aber ohne Rinder gibt es keinen Ertrag.

Oftmals messen wir dem Schmutz eine ganz falsche Bedeutung bei. „Wer macht den Dreck am Ende weg?“ Fragen wir uns und hoffen, dass es nicht an uns selbst hängen bleibt. Eine Anekdote aus dem Leben eines fünffachen Vaters verdeutlicht, wie wir den oben stehenden Vers aus dem Buch der Sprüche beispielsweise für unser Familienleben interpretieren können: Der Vater liebte seinen Garten und hegte und pflegte ihn mit großer Begeisterung. Insbesondere auf seinen Rasen war er immer sehr stolz. Allerdings gab es am Rande seiner liebevoll angelegten Rasenfläche einen Schandfleck. Nämlich dort, wo seine Kinder immer drüber rannten, einem Ball oder einander nachjagten. An dieser Stelle wuchs das Gras nie so schön, immer war die Erde lose und die Fläche wirkte einfach… dreckig! Wie oft er seine Kinder ermahnte, nicht über den Rasen zu rennen? Man weiß es nicht. Doch eines steht fest: Genau dieses unschöne, immer schmutzige Rasenstück lernte er zu lieben - denn früher oder später kommt eine Zeit, in der die Kinder aus dem Haus sind und er sich nach einem unperfekten Rasen sehnt. 

2. Da ist Gnade im Dreck 

In Johannes 8:1-11 finden wir die Geschichte der Ehebrecherin, die von den Schriftgelehrten zu Jesus gebracht wird mit dem festen Vorhaben, die Sünderin zu steinigen. „Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein werfen.“ Antwortet Jesus in dieser Situation. Wie das ausging, wissen wir alle: Keiner der Anwesenden warf einen Stein, sie gingen einer nach dem anderen davon. Doch da steckt noch mehr in diesen Versen: Bevor und nachdem Jesus seine weisen Worte aussprach, schrieb er mit dem Finger auf die Erde (Johannes 8:6-8). Was er auf die Erde schrieb, verrät uns die Bibel nicht. Theologen und Forscher haben darüber im Laufe der Jahre viele Theorien erstellt. Die drei Spannendsten:

  1. Jesus hat einfach nur „gekritzelt“ 
  2. Jesus hat einen Bibelvers aufgeschrieben
  3. Er schrieb die Namen und Sünden all derer auf, die im Kreis um ihn versammelt standen und die Steinigung der Ehebrecherin forderten

Diese letzte Theorie ist besonders interessant und lässt einen Rückschluss zu, warum die älteren Anwesenden den Ort des Geschehens zuerst verließen: Ihre Sündenliste war besonders lang. Doch ganz gleich, was Jesus damals mit dem Finger auf die Erde schrieb: Er war der Einzige, der am Ende noch übrig blieb - denn er war ohne Sünde. Er hätte also „den ersten Stein“ werfen können. Was er selbstverständlich nicht tat, denn Jesus verurteilt nicht, er wartet nicht darauf, dass wir fehlerfrei oder perfekt sind. 

3. Da ist ein Wunder im Dreck 

Ein Kapitel später, in Johannes 9:1-7 lesen wir erneut vom Dreck. Diesmal im Rahmen einer für uns nahezu unvorstellbaren Situation. Jesus entdeckte auf seinem Weg einen Mann, der von Geburt an Blind war. „Er spuckte auf die Erde, rührte mit dem Speichel einen Brei an und strich ihn auf die Augen des Blinden. Danach forderte er ihn auf: Geh jetzt zum Teich Siloah (Siloah heißt „der Gesandte“) und wasch dich dort. Der Blinde ging hin, wusch sich, und als er zurückkam , konnte er sehen.“ 

Warum dieser ganz und gar nicht appetitliche Umstand? Warum hat Jesus den Mann nicht gleich geheilt? Vielleicht weil hinter dieser Begebenheit mehr steckt: Erde steht in der Bibel immer für unsere Menschlichkeit, aus der Erde wurden wir geschaffen. Wasser ist ein Symbol für Gottes Geist. Erst wenn wir unserer Menschlichkeit (Erde) etwas vom Geist Gottes (Wasser) hinzufügen, sehen wir klar. Natürlich Übernatürlich eben. 

Wie uns das gelingt? Wir müssen nur erlauben, dass Jesus in unser Leben kommt. Oder anders gesagt: Man nehme etwas Schmutz und Dreck, füge Wasser hinzu und rühre kräftig um. Das konnten wir als Kinder auch schon gut. 


Impressionen von unserem Gottesdienst am 31. Juli 2016: