Wie gehst du mit Enttäuschungen um?

Am vergangenen Sonntag durften wir Alfred John in der KCC als Gastprediger begrüßen. Alfred ist der Vater von unserem Pastor Dom, stolzer Opa von drei Enkelkindern und seit 35 Jahren verheiratet. Doch nicht nur das durften wir während seiner sehr persönlichen Predigt erfahren. Polizei-Verhandler, Personal & System Coach, psychologischer Berater - all diese Funktionen übt Alfred, der übrigens 15 Jahre beim Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei war, heute aus. Ebenso spannend wie seine Vita war auch seine Predigt zum Thema: „Wie gehst du mit Enttäuschungen um?“


Wenn du durch tiefes Wasser oder reißende Ströme musst - ich bin bei dir, du wirst nicht ertrinken. Und wenn du ins Feuer gerätst, bleibst du unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen. Jesaja 43:2


Alfred hat die Frage nach dem Umgang mit der Enttäuschung so lebensnah und greifbar erörtert, wie nur möglich: Am Beispiel seines eigenen Lebens und außergewöhnlicher, persönlicher Niederlagen. Er berichtete uns von zwei schweren Unfällen, die ihn viel lernen ließen und Gott am Ende näher brachten. Vor mittlerweile mehr als 20 Jahren hatte Alfred einen Skiunfall, der dazu führte, dass er sechs Jahre lang Schmerzen bei jedem Schritt verspürte - und das in einem Job, der körperliche Fitness zwingend voraussetzt. Sein zweiter Unfall ereignete sich während einer SEK-Übung. Eine Blendgranate explodierte in seiner Hand. Die Konsequenz: Seine berufliche Tätigkeit konnte Alfred nicht wie bisher fortführen, körperlich hatte er mit starken Einschränkungen zu kämpfen und all das machte ihm Angst.


„Aber Gott wäre nicht Gott, würde er solche Niederlagen nicht in Siege verwandeln.“

Alfred berichtete, dass Gott ihn durch diese schwere Zeit getragen, in näher zu sich gebracht und sein Herz weich für Menschen mit Verletzungen oder Behinderungen gemacht hat. Familie und Freunde haben ihm in den Rücken gestärkt und ihm Mut zugesprochen. Ebenso wie Jesus, der zu jeder Zeit an seiner Seite war - das spürte und wusste Alfred ganz genau. Heute ist er übrigens wieder fit wie ein Turnschuh und hat sogar im letzten Jahr gemeinsam mit Dom die Zugspitze bestiegen.


Mit dem Scheitern umgehen…


Es gibt zwei Arten von Scheitern: Eines, das für die Umwelt deutlich erkennbar ist und eines, was sich im Verborgenen abspielt. Doch ausschlaggebend ist nicht, ob unsere Mitmenschen etwas von unserem Scheitern erfahren, sondern als wie gravierend wir die Niederlage empfinden. Alfred forderte uns auf, mit den eigenen Niederlagen und Enttäuschungen barmherzig umzugehen.


„So wie du mit dem eigenen Scheitern umgehst, so gehst du auch mit dem der anderen um.“


Barmherzig mit dem eigenen Scheitern umzugehen bedeutet nicht, es wegzuschieben, sondern vielmehr, sich die Möglichkeit eines Misserfolgs zuzugestehen, weil auch Gott uns diese Möglichkeit zugesteht. Er hat uns mit Schwächen geschaffen und deshalb können wir nicht in allem gut sein, sowohl beruflich wie auch privat. Diese Aussage ist keineswegs als Freibrief für Fehltritte zu verstehen, aber als Erklärung. Alfred geht noch weiter und fragt: „Wir hochmütig wären wir wohl, wenn wir niemals scheitern würden?“ Ein Leben ohne Niederlagen würde doch letztlich dazu führen, dass eines Tages für uns alles selbstverständlich ist. Denn wir vergessen oft: Es sind die „ganz normalen“ Tage, die in unserem Leben besonders wertvoll sind. Das wird einem häufig erst bewusst, wenn man in einer misslichen Lage steckt, ganz gleich welcher Art.


„Wer scheitert, ist selbst schuld.“ Dies ist ein so unbarmherziges Urteil, das so gut wie nie zutrifft,


sagt Alfred und und fragt: „Wie ist eigentlich Jesus mit Gescheiterten umgegangen?“ Jesus unterschied zwischen Vorsatz bzw. Mutwilligkeit und Menschen mit Schwächen. Letztere durften mit seiner Barmherzigkeit rechnen. Dafür finden sich in der Bibel zahlreiche Beispiele. Etwa das vom Zöllner Zachäus, der unter den Leuten als Betrüger und Gauner geächtet war und bei dem Jesus trotz alledem zu Gast war (Lukas 19:1 ff.). Oder auch das der Ehebrecherin, die gesteinigt werden sollte und Jesus dieses Unheil von ihr abwandte mit dem Satz: „Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!“ (Johannes 8:1 ff.). Und das wohl bekannteste Gleichnis, wenn es um Misserfolg und Niederlage geht: Das des verlorenen Sohnes, der all das Geld seines Vaters verschleuderte und bei seiner Rückkehr voller Mitleid, Liebe und Barmherzigkeit begrüßt wurde (Lukas 15:11 ff.).

Diese biblischen Beispiele haben eines gemeinsam: Das Fehlen eines unbarmherzigen Richters. Und genau den wünschen wir uns auch im Falle des eigenen Versagens nicht. Das Beispiel der Ehebrecherin zeigt besonders deutlich, was der Maßstab ist, nachdem wir andere beurteilen dürfen: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.


„Wie also gehst du mit dem Scheitere um? Komm zu Jesus, lass dich aufrichten, dir deine Würde zurück geben, dir Gnade und Barmherzigkeit zusprechen, deine Selbstzweifel nehmen und dich frei machen.“ Alfred John

Impressionen von unserem Gottesdienst am 19.06.2016